Für diesen Begriff gibt es kein deutsches Wort als griffige Übersetzung. Viele wissen, dass Homöopathie etwas beschreibt, das von der Schulmedizin nicht so richtig anerkannt wird, eine alternative Methode bei dem Versuch, Menschen - und durchaus auch Tiere - von ihren Krankheiten zu befreien. Zu diesen alternativen Methoden greifen Menschen gerne, nachdem viele andere Versuche vergeblich gewesen sind. Und oft mit erstaunlich guten Erfolgen. Erstaunlich deshalb, weil bis heute wissenschaftlich stichhaltige Beweismethoden für die Wirkung von homöopathischen Arzneimitteln fehlen. Und damit haben wir in unserer aufgeklärten Welt so unsere Schwierigkeiten...
Seit dem Beginn des nun zu Ende gegangenen Jahrhunderts verständigen sich Wissenschaftler aller Fachgebiete weltweit überwiegend in Englisch. Das war bis zum 19. Jahrhundert anders. Bis dahin war die Sprache der Forschung Latein, ergänzt mit Begriffen aus dem Altgriechischen. Und aus dieser Sprache kommt das Wort "Homöopathie". "Homoios" (sprich: ho-meu-os) heißt "ähnlich", "Pathos" ist das "Leiden". So bedeutet "Homöopathie" (nicht: "Homopathie" oder gar "Hömopathie") "Ähnliches Leiden". Diese Übersetzung ist zunächst noch genauso geheimnisvoll wie das griechische Wort aus der Überschrift. Wir sind an dieser Stelle so schlau wie am Anfang. Der Nebel über unserem Begriff hat sich noch nicht gelichtet.
Hilfe zur Selbsthilfe
Zum Vertreiben dieses Nebels machen wir jetzt einen kleinen Ausflug ins Lateinische: "Similia similibus curentur". Mit diesem Satz kommen wir weiter! Er bedeutet übersetzt: "Ähnliches möge mit Ähnlichem geheilt (behandelt) werden". Da ist wieder das Wort "ähnlich" wie in "Homöopathie?. Und tatsächlich arbeitet die Homöopathie mit Ähnlichkeiten. Den zitierten lateinischen Satz nennt man die "Simile"- oder "Ähnlichkeitsregel". Nach ihr funktioniert die Homöopathie:
Die "Ähnlichkeitsregel" lässt sich an einem einfachen Beispiel aus dem Alltag zeigen: Wenn man eine frische Zwiebel schneidet, so wird man - je nach Empfindlichkeit - mit Tränenfluss, Jucken oder Brennen in den Augen, Niesreiz, und Kitzeln in der Nase reagieren. Außerdem kann die Nase anfangen zu "laufen". Kurz: Man entwickelt alle Symptome eines akuten Schnupfens, der, da er hier mit der Zwiebel künstlich erzeugt worden ist, als eine "Kunstkrankheit" bezeichnet werden kann. Hier setzt der Homöopath mit seiner Überlegung an, wenn er einen Patienten mit einem tatsächlichen Schnupfen behandeln soll. Er denkt an die Reaktion, die das Zwiebelschneiden bei einem Gesunden auslöst und verordnet Küchenzwiebel. "Ähnliches" (in unserem Beispiel der akute Schnupfen) möge von "Ähnlichem" (der Zwiebel nämlich, die den "Kunstschnupfen" bewirkt hat) geheilt werden. Man muss demnach bei einer Krankheit zunächst herausfinden, welche Substanz aus dem Pflanzen- oder Tierreich, aber auch mineralischen Ursprungs an einem Gesunden die beobachteten Symptome bewirkt. Dann hat man den einen wichtigen Schritt zur Wahl des Mittels getan. Wenn man dann noch die richtige "Stärke" findet, kann man seinem Patienten helfen.
Ein homöopathisches Arzneimittel übt einen ganz bestimmten Reiz auf den kranken Organismus aus. Dieser Reiz wirkt regulierend und regt die eigenen Selbstheilungskräfte an. Homöopathie ist aktive Hilfe zur Selbstheilung.
So kommen wir nun zu dem Mann, der sich als erster diese Beobachtung für die Behandlung seiner Patienten nutzbar gemacht hat:
Samuel Hahnemann (1755 - 1843), der Begründer der Homöopathie
Zu seiner Zeit war Scharlach eine der am weitesten verbreiten Krankheiten. Hahnemann lernte die Tollkirsche (lat.: Belladonna) als Heilmittel dafür kennen. (Penicillin gab es damals noch nicht im Arzneischatz!). Nun weiß jeder, dass die Tollkirsche sehr giftig ist, der Arzt also schon sehr vorsichtig dosieren muss, wenn er seinen Patienten nicht durch seine Arznei endgültig verlieren will. Hahnemann musste also verdünnen. Und dabei fiel ihm auf, dass die Wirkung seines Mittels umso größer war, je mehr er es verdünnt hatte! Diese Beobachtung führte ihn später zu den "Potenzierungen" seiner Heilmittel. Als Geburtsjahr der Homöopathie gilt 1796, damals veröffentlichte Hahnemann in Königslutter seine Arbeit "Versuch über ein neues Prinzip zur Auffindung der Heilkräfte der Arzneisubstanzen nebst einigen Blicken auf die bisherigen".
Grundlage der homöopathischen Arzneimittel sind natürliche Stoffe aus dem Pflanzen-, Tier- und Mineralreich. Diese werden verdünnt sowie verschüttelt bzw. verrieben. Man nennt diese Methode der Verdünnung "Potenzieren". Je nach Art der Potenzierung findet man auf dem Etikett hinter dem Namen des Mittels einen Buchstaben mit einer Zahl (z. B.: DI, D2, C6. LM8, Q3). Dabei ist in den Potenzen mit den kleineren Zahlen mehr Wirkstoff enthalten, die stärkere Wirkung erwartet der Homöopath aber von den höheren Potenzen. Dieser Zusammenhang ist für den streng naturwissenschaftlich erzogenen Mediziner nun überhaupt nicht zu verstehen. Je weniger Wirkstoff enthalten ist, desto besser soll die Wirkung sein? Hier kann man nur sagen, dass derjenige recht hat, der den Heilungserfolg erzielt, auch wenn es z.Zt. noch keinen wissenschaftlichen Beweis datür gibt, warum die Heilung eingetreten ist. (Die chinesische Methode der Akupunktur hat auch seit 4.000 Jahren ohne Beweis für das Warum ihrer Wirksamkeit funktioniert, erst in jüngerer Zeit gibt es Erklärungsmodelle dafür. Vielleicht gelingt es eines fernen Tages den Homöopathen, die Schulmediziner auch wissenschaftlich zu überzeugen?!)
Tropfen, Globuli und Tabletten
Die Arzneimittel stehen in Tropfenform als alkoholische Lösung (= Dilution), bzw. als Globuli (= kleine weiße Kügelchen aus Saccharose (Rohrzucker), mit homöopathischer Arznei imprägniert) und Tabletten (auf Milchzuckerbasis) zur Verfügung. Diese Arzneien werden auch als homöopathische Einzelmittel bezeichnet, da sie nur aus einem Mittel zubereitet sind.
Im Laufe der zweihundert Jahre, in denen die Homöopathie als Möglichkeit zur Behandlung von Krankheiten bekannt ist, hat sich ein reicher Erfahrungsschatz angesammelt, der sich zum Wohle der Patienten einsetzten lässt. Man kann die Methode durchaus als harmlos ansehen, da es fast keine unerwünschten Nebenwirkungen gibt. Gerade deshalb sollte man aber auch nicht die Grenze aus den Augen verlieren, zu der man es mit homöopathischen Mitteln versuchen darf, eine Krankheit zu lindern. Schulmedizin und Naturheilkunde, zu der auch die Homöopathie zu zählen ist, sollten sich nicht bekämpfen. Beide wollen dem Patienten helfen. Mit ihrem Ziel sind sie sich einig, so sollten beide voneinander lernen und sich gegebenenfalls ergänzen.